Ich mit mir allein II

Große Dinge warten heute auf mich. Ich muss noch die Welt retten. Deine Motivation. Du stehst auf. Öffnest das Fenster. Vogelgesang. Die Sonne scheint. Nicht hoch. Frische Luft ins Zimmer. Du atmest tief ein. Atmest langsam aus. Riecht nach Frühling. April. Mai. Dann Sommer. Blumen blühen. Grünes Gras. Meine Magisterarbeit muss abgeben werden. Nein, früh. Zu früh.

Ein paar Schluck Wasser. Gemahlenen Kaffee in die Kaffeemaschine. Badewanne. Du spürst Wasser auf deinen Händen. Auf deinem Gesicht. Jetzt besser. Jetzt wach. Kontaktlinsen. Im Spiegel du. Klar. Mit einem lustigen Gesicht den Tag anzufangen. 

Kaffee mit Milch. Deine erste Schlucke mit geschlossenen Augen. Wie immer. Frühstück später. Zuerst Stillstunde. Die Umgebung schläft noch. Gedanken zuhören. Bequem am Tisch. Notebook. Uni-Mail. Nichts. Auf das Klausurergebnis wartest du ungeduldig. Du denkst. Es ist wichtig für dich. Gespannt, nervös gespannt. Aber so ist es nicht. Ohne kann man weiterleben. Du kannst das nicht. Was, wenn ich nicht bestanden habe? Nein. So viel Mühe, so viel Zeit. Ein Brett an der Wand. “Ich habe die Prüfungen erfolgreich abgelegt.”Du liest das vor. Deutlich. Ein paar Mal.

Die Magisterarbeit. Der Plan für heute ist da. Geöffnet. Mit einem Blick überfliegst du die Seite. Seufzer. Unbewusst. Schließt das Gesicht mit den Händen. Sammelst die Gedanken. Das Brett. “Magisterarbeit wird leicht und schnell geschrieben.” Das funktioniert doch nicht. Funktioniert. Ruhig bleiben. Geduld haben. Atmen ein. Atmen aus. “Leicht und schnell. Wird geschrieben.”Frühstück. Haferbrei. Uni-Mail. Nichts. Jura Sprache. Worum geht es überhaupt? Nochmal den Absatz. Nochmal. Stop. Ich brauche noch einen Kaffee. Dein Wohnraum ist klein. Und du kannst dir nicht leisten, Zeit mit unnötigen Aktivitäten zu verschwenden. Alles ist geregelt. Wichtig und dringend. Nicht wichtig und nicht dringend. Du versuchst es zumindest. Suchen nach einer Ablenkung. Bingo! Prima! Unterwegs zum Kaffee siehst du im Garten eine Katze. Hinter deiner Glastür. Grüne Augen. Dreifarbig. Zottig. Ihr seht euch beide abschätzend an.

“Ohh! Halloooo! Du siehst so aus, wie ich mich fühle.

“Ich bin auch froh, dich zu sehen”, sagt ihr Aussehen.

Die Tür wird vorsichtig geöffnet. Mit einer Kamera liegst du auf dem Boden.

“Kiss-Kiss-Kiss, Oh nein, du bist die deutsche Katze, Miez-Miez-Miez.”

Die Bilder müssen sofort bearbeiten werden. Wichtig und dringend. Nicht wichtig und nicht dringend. Egal. Ich will.

Mit Lesen vergeht der Tag schnell. Am Nachmittag eine E-mail mit der Bitte um einen Gesprächstermin bei dem Professor. Dazu das Versprechen, die Gliederung am Freitag zu schicken. Die Antwort hebt deine Stimmung. “Ich bin gespannt auf Ihre Gliederung.” Na ja, ich auch. Gespannt. Lesen. Tauchen. Denken. Was aufschreiben. Mit dem Sonnenuntergang kommen Gedanken. Schafe oder nicht? Ich habe keine Wahl. Nur aufhören. Das kann ich nicht. “Warum bist du hier, wenn es so schwer ist?” Eine Frage von deinem ersten Deutschlehrer kommt immer in die Erinnerung, wenn es schwerfällt. Dann erinnerst du dich an andere schwierige Situationen in deinem Leben. Wie schwer es beim Wandern zum ersten Mal war? Als alle dich überholten. Du atmetest tief und oft. Dein Herz, schien es, wollte rausspringen. Du dachtest, das bringt dich um. Schritt für Schritt. Und du da. Oben. Wie alle anderen. Egal. Schnell oder langsam. Ihr alle standen dort. Oben.

Suppe mit Hähnchen. Lesen. Denken. Was aufschreiben. Abend. Gegen die Nacht. Ich muss schlafen. Neue Energie auftauchen. Zähneputzen. Kontaktlinsen raus. Ins Bett. Warme Milch mit Brot. Angst. Danach kommt der Morgen. Ich habe nicht genug Zeit. Egal. Ich werde morgen darüber nachdenken. Scarlett O´Hara. Du schläfst schnell ein, als würdest du Waggons entladen.

Der nächste Tag lässt nicht lange auf sich warten. Wecker. Um sieben Uhr. Tag des Murmeltiers. Ich kann nicht. Kann. Muss. Heute Freitag. Fenster. Kaffee. Badewanne. Wach. Am Tisch. Notebook. Jurasprache. Leicht und schnell. Die Gliederung. Erledigt. Geschickt. Warten auf „Exekution“.

Jetzt. Raus. Raus. Raus. Weit Weg. Deine Seele baumeln lassen.

Foto: www.pixabay.com

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