Ich brauche eine Laube am Strand

Muluchiya Suppe, Tabluleh Salat, gebratene Hühnchen, Reis und Fladenbrot. Vor den Tellern voller Essen saßen wir barfuß auf dem Teppich auf der Terrasse. Rania steckte eine Jasminblüte in ihre Haare und zeigte ihr strahlendes Gesicht. Ich trug eine breite blumige Haramhose, füllte Salat und Hühnchen in eine Scheibe Fladenbrot und rollte sie zu einer kleinen Tüte auf, dann ein großer Biss. Nach dem Mittagessen war ich plötzlich schläfrig. Ich ging am Strand und fand einen schattigen Platz unter dem Dach einer Laube aus Schilfrohr.

Die Sandalen ausgezogen, warf ich mich auf den bunten Teppich aus Baumwolle. Den Kopf auf einem Kissen, streckte ich meinen Körper aus. Die Wellen schlugen an den Strand und schenkten mir eine Brise. Ich legte mir einen Schal über und hielt ein Buch. Ich wusste nicht, was ich las. Durch die Lücken der Schilfrohre sah ich einen Himmel in Streifen. Blau in allen Schattierungen. Hinter dem sandfarbigen Gebirge an der anderen Küste des Meers verbargen sich andere Länder und andere Menschen. Sie waren zwar so nah, aber so fremd. Ab und zu glitten zwei weiße Reiher über das Meer. Sie flatterten mit ihren Flügeln, tauchten in den Schaum der Wellen und stiegen wieder auf. Die Sonne und der rhythmische Klang der Wellen lullten mich ein.

Ich flog über das Meer, über das Gebirge, über die anderen Städte. Kein Visum, keine Grenzkontrolle. Ich überblickte die ganz Jerusalem, sah die Klagemauer und verwinkelte Gassen in der Altstadt. Menschen waren wie Sesamsamen in unterschiedlichen Farben. Ich flog über Wadi Rum und verfolgte die Spur von T.S Lawrence in seinen heimlichen Missionen. Ich flog über das Tote Meer und suchte die Salzsäule von Lots Frau.

Jemand klopfte auf meine Schulter. „Warum schütteltest du mich?“, rief ich empört, denn ich wollte nicht geweckt werden. Als ich meine Augen aufmachte, hockte Rania neben mir. „Du hast gelacht in deinem Schlaf. Komm, wir haben dich gesucht und alle warten auf dich im Seminarraum“. Eine Stunde oder zwei hatte ich geschlafen oder geträumt?

Ich brauche eine Laube am Strand, in der ich die Brise rieche, die Wellen und die Vögel höre, den Sand mit meinen Zehen spüre, die Gestirne sehe und träume von der Welt von nah und fern. Was noch? Die strahlenden Gesichter von Rania und mir, mit Jasminblüten in unserem Haar.

Foto: www.pixabay.com

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