Kaffe Genuss

Von Sourour Zinoubi

Rund um das braune Getränk hat sich eine ganze Kultur entwickelt, also ist der Kaffee mehr als ein Genussmittel.
Persönlich ist er für mich der einzige Weg, wach zu werden. Das Erste, was ich mache, wenn ich morgens aufstehe, ist eine Kanne Kaffee aufzusetzen. Ich sitze und schaue aus dem Fenster der Küche.

Kaffeetrinken erinnert mich an kalte Wintermorgen bei meiner Oma, wo ich meinen Kaffee mehr vom Geschmack ganz zu schweigen genossen habe.

Jeden Tag beginnt meine Oma mit einem Kaffee, egal ob sie im Brett liegt oder am Tisch in der Küche sitzt. Sie sagt immer, dass das Aroma vom Kaffee ein Gefühl von Zuhause bringt, egal, wo man ist.

Meine Oma will ihr Geheimrezept niemandem geben und denkt, dass jeder Schritt für die Zubereitung des Kaffees eine wesentliche Rolle spielt. Zuerst wählt sie sorgfältig die Bohnen. Wenn ich sie zum Kauf der Bohnen begleite, erklärt sie mir: „Der Kaffee wird umso besser, je hochwertiger die Bohnen sind, die man verwendet“, dann stellt sie ihre Bohnenmischung selbst zusammen und bemüht sich, mit der Handmühle mit viel Geduld zu mahlen.

Nach der lästigen Arbeit wird das Kaffeepulver mit kochendem Wasser aufgebrüht, endlich gönnen wir uns einen herrlichen Kaffee. Ich glaube, dass außer der Mühe meiner Oma bei der Zubereitung ihre Kaffeemaschine einen vollmundigen Genuss verspricht, vor allem legt meine Oma zwei Kaffeemaschinen, eine für besondere Gelegenheiten und eine für die tägliche Verwendung bereit.

Sie nimmt diese Tradition sehr ernst und möchte das Ritual der Kaffeezubereitung über Generationen in der Familie vererben.

Am Wochenende lädt meine Oma ihre Nachbarinnen auf einen Kaffee ein. Diese Einladung ist eine besondere Gelegenheit. Ich beobachte, wie groß ihre Leidenschaft ist.

Entnervt streicht sie sich eine Strähne ihres weißen Haares zurück und ihre Hände zittern, trotzdem kann ich ihr keine Hilfe leisten, weil sie das nicht wollen würde und setzt ihre Arbeit fort, von Bohnen rösten bis zum Kaffeepulver bekommen. Sie legt großen Wert auf jedes Detail des Verfahrens.

Nach der Zubereitung variiert sie den Röstengrad und Mahlgrad, sonst gelingt ihr nicht, den gewünschten Geschmack zu erlangen.

Am Tag des Besuchs, wenn der Kaffeeduft in meine Nase steigt, weiß ich, dass meine Oma schon wach und alles bereit ist. Der Wohnzimmertisch wird ordentlich eingedeckt, nur für diesen Besuch nimmt meine Oma ihr altes Kaffeegeschirr aus dem Geschirrschrank heraus.

Die Nachbarinnen kommen herein und sie führt sie ins Wohnzimmer, wo unsere Lieblingsnachbarin Jasmin schon da ist. Da sie aus dem Kaffeesatz lesen kann, wünschen sich alle unserer Nachbarinnen mittels dieses Brauchs zu hören, was in naher Zukunft passieren wird. Wir sitzen und genießen den Kaffee.

Bevor Tante Jasmin aus dem Kaffeesatz liest, legt jede Teilnehmerin eine Untertasse auf die Tasse, drehte sie auf den Kopf, dann wieder um. Zunächst lässt sie alles ein wenig am Boden der Tasse sowie am Rand antrocknen, damit die Bilder und die Formen entstehen. Der Reihe nach stellen die Frauen Fragen über die Zukunft. Danach beginnt Tante Jasmin die Formen zu deuten. Tatsächlich ist sie sehr geschickt darin, die Bilder und die Formen zu erkennen und miteinander zu verknüpfen, um Geschehnisse vorherzusagen.

Ich betrachte die Gesichter unserer Nachbarinnen aufmerksam und wie neugierig sie sind. Jede zeigt einen unterschiedlichen Gesichtsausdruck, je nach der Aussage meiner Tante Jasmin. Eine ist zufrieden, die andere überrascht oder erleichtert.

Diesen Brauch scheinen sie wirklich ernst zu nehmen. Es ist nicht ein einfach ein Hobby.
Ich halte das für Unsinn, wie unsere Nachbarinnen an diese Vorhersagen glauben, obwohl sie nicht wissen, ob die Deutungen eintreffen.

Für mich kann ich nur spielerisch ausprobieren, den Kaffee zu lesen und mich überraschen zu lassen.

Foto: www.pixabay.com

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