Wir

Wir haben Schuld, behaupten sie. 
Wir w√ľrden alles ver√§ndern, sagen sie.
Wegen uns ginge es ihnen schlecht. 
Die Moral werde schlimmer, die Steuern höher, 
die Sozialhilfe immer geringer. 
Kinder seien in Gefahr. Frauen bedroht.
Vergewaltigung stehe bevor.

Über uns wird zu viel gesprochen. 
Man d√ľrfte uns nicht ausf√ľhrlich er√∂rtern.
Wir seien faul. 
Wir könnten nichts erledigen.

Wir werden alles √ľberw√§ltigen.
Bald hätten sie keinen Raum zum Leben.
Wir w√ľrden alle Arbeiten √ľbernehmen.
Bald hätten sie selbst keine Arbeit mehr, zu der sie gehen könnten.

Wir sind √ľberall, wir sind nirgendwo.
Wir gehörten nicht hierher. 

Wir sind Fl√ľchtlinge, wir sind Schwule, wir haben das falsche Geschlecht.
Wir sind Ausländer, wir sind arbeitslos, 
wir sind ein einziger kleiner Bruchteil.

Wer wir sind, hängt von ihnen ab.
Sie d√ľrfen das bestimmen.
Sie sagen, dass wir die Anderen sind,
und wollen uns nicht erkennen.

Wir können wählen, nicht mehr einer von den Anderen zu sein.
Wir können wählen, mit ihnen zu gehen.
Wir können die Anderen von oben betrachten.
Wir können wie sie werden.

Wir können es auch wählen, uns zusammenzubringen.
Wir können wählen, die Bruchteile zu verbinden.
Wir können es wählen, dass es sie nicht mehr gibt.
Es gibt nur uns.

Foto: pxhere.com

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