Der Lebensraum

von CM

Literaturwettbewerb „Leben erleben“ 2021 für Jugendliche

Man könnte meinen, dass jeder Mensch das Leben erlebt. Jeder Mensch, der lebt, erlebt, weil er lebt. Oder nicht? Kann man das Leben vielleicht auch durchleben ohne zu erleben? Und wenn ja, wo liegt da der Unterschied?

Jeder Mensch hat einen Lebensraum. Der Mensch trägt seinen Lebensraum immer mit sich, denn der Lebensraum ist gegeben. Der Mensch kann sich einrichten, gestalten und Dinge erschaffen. Der Mensch ist in der Lage seine Raumfläche zu vergrößern und damit seinen Horizont zu erweitern. Wenn andere Menschen ihre Türen öffnen, kann der Mensch auch den Lebensraum anderer Menschen erkunden und mit dem eigenen Lebensraum vergleichen: Wie gestalten andere Menschen den Lebensraum, der ihnen zur Verfügung steht? Womit umgeben sie sich? Aus dem Austausch mit anderen Menschen kann dann Inspiration für den eigenen Lebensraum erwachsen und der Mensch kann Dinge bei sich verändern.

Indem der Mensch sich außerdem in der Welt auf die Suche begibt, findet er heraus, was er für seinen idealen Lebensraum gebrauchen könnte. Das wiederum heißt, dass der Mensch als Wanderer hinausgeht, um die Welt zu erfahren. Dafür schlägt er eine Richtung ein und begibt sich auf den Weg. Auf dem Weg wählt der Mensch Gegenstände aus, die ihm für seinen persönlichen Lebensraum nützlich erscheinen. Andere Gegenstände lässt er auf seinem Weg zurück oder verschenkt sie an andere Wanderer, die er trifft. Manchmal kann der Mensch auch Gegenstände oder Werkzeuge aus seinem Lebensraum mit anderen Menschen teilen.

Die Gegenstände im Lebensraum des Menschen können dabei völlig unterschiedlich sein. Es gibt schwere Gegenstände, die der Mensch schon lange mit sich herumschleppt und die ihm deshalb Schmerzen bereiten, die aber häufig zu sperrig sind, um einfach so aus dem Lebensraum heraussortiert zu werden. Dann gibt es solche Gegenstände im Lebensraum eines Menschen, die der Mensch niemals hergeben würde und die er ein Leben lang hütet, weil sie ihm so viel bedeuten. Andere Gegenstände sind für den Menschen kaum greifbar, aber dennoch vorhanden. Sie stechen, wenn man versucht ihre Oberfläche zu erfühlen. Und schließlich gibt es auch Gegenstände, die nur kurze Zeit im Lebensraum des Menschen wohnen und bald wieder verschwunden sind, ohne, dass der Mensch weiß, wo sie her- und hingekommen sind.

Der Prozess des Sortierens, Umgestaltens und der Erneuerung der Gegenstände hört nie auf und ist niemals abgeschlossen, wenn der Lebensraum wirklich lebenswert sein soll.

Was der Lebensraum denn sein soll, von dem ich da die ganze Zeit schreibe, fragt jemand.

Ich antworte: „Ich weiß es nicht. Für mich ist der Lebensraum die Seele des Menschen, die, auf der Suche nach Sinn, der Sehnsucht folgt. Die Seele, die, wenn der Mensch sie sich entfalten lässt, das Leben zum Leben erweckt.“

Foto: www.pixabay.com

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