Lilo

von Elisa
Literaturwettbewerb „Leben erleben“ 2021 für Jugendliche

Lilo fühlte sich gestresst. Ihr Kopf brummte. Es überforderte sie. Die Gedanken strömten von allen Seiten auf sie ein und zerstörten Vernunft und Klarheit. Sie hatte das Gefühl, so viele Dinge tun zu müssen und sie konnte nicht mehr richtig sehen. Die einfachsten Lösungen waren nun vor ihr versteckt.

Angst befiel sie. Angst vor tausend Dingen, die noch nicht passiert waren und die nie passieren werden, doch sie wirkten so real in ihrem Geist. Sie zermarterte sich das Gehirn nach Auswegen, doch jeder Ausweg schien nur in einen neuen Irrgarten mit noch viel größeren Schrecken zu führen.

Sie war ratlos. Sie fühlte sich hilflos. Sie bekam Panik. Sie glaubte jede Lüge, die sich in ihren Kopf einschlich, und schließlich wurde sie immer verzweifelter und panischer mit jeder neuen Lüge.

Ihre Vernunft war vollkommen abgeschaltet. Jede Wehr gegen Angst, Selbstverachtung, Selbstmitleid und Gewissen, die schmerzhaft an ihr nagten wie bissige, ausgehungerte Ratten, war zwecklos.

Sie spürte, wie ihre Glieder schwach wurden. All die Überanstrengung ging vom Kopf aus und verbreitete sich nun auf ihren ganzen Körper. Ihre Schultasche zog sie zu Boden und nun lag sie da und schluchzte. Sie war nicht mehr sie selbst, sie hasste sich und überhaupt alles, sie war eine kleine wehrlose Pfütze Verzweiflung.

Doch plötzlich – Lilo wusste selbst nicht so ganz, wie sie das anstellte – ließ sie einfach alles los. Hinterher war sie sich sicher, dass danach ein kurzer Moment kompletter Leere stattgefunden haben muss. Sie fühlte sich so ausgeruht wie noch nie.

Sie blickte sich um und sah die Sonne durch die Bäume scheinen. Und mit einem Mal hörte sie sogar die Vögel zwitschern. Das hatten sie schon die ganze Zeit getan, doch jetzt erst bemerkte es Lilo.

Sie war hier. Auf diesem Weg. Mit der Sonne und den Bäumen und den Vögeln. Für einige Sekunden versuchte sie sich nur darauf zu konzentrieren und es tat gut.

Was machte sie sich um so vieles Sorgen? Sie war doch hier. Und hier war es schön. Überhaupt nicht gefährlich.

Ihr Kopf füllte sich wieder mit der gewohnten Klarheit und Entschlossenheit. Sie hatte schon ganz vergessen, wie klar und entschlossen er sein konnte. Wie schön das Leben allgemein sein konnte.

Gestärkt wie schon lange nicht mehr wischte sie sich die Tränen aus den Augen, stand auf, dankte dem Himmel und ging nach Hause.

Foto: www.pixabay.com

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