Boléro auf dem Dorf

Der Fluss fließt ruhig, friedlich zwischen den Bäumen, die vor einhundert Jahren dort gepflanzt wurden. Sie haben riesige Stängel und lange Äste voll mit feuchtem Moos. Tröpfchen fallen von dem Moos auf den Boden; top, top, top. Die Blätter der Pflanzen, die unter den Bäumen stehen, bewegen sich mit Anmut wie Engelshände, wenn das Tropfwasser sie schlägt.

Die Wildblumen auf der Wiese begrüßen die ersten Sonnenstrahlen und freuen sich über diese warme und zarte Berührung, die Hoffnung für den neuen Tag bringen kann.

In der Luft gibt es noch Feuchtigkeit von dem starken Regen der letzten Tage. Die kleinen Schmetterlinge fliegen am Fluss und ihre seidigen Flügel sehen in der Luft irisierend aus, wegen des Sonnenlichtes, das scherzhaft durch die Berge schleicht.

Von dem Fluss geht Dampf aus, der mit dem Sonnenlicht Muster in die Luft zeichnet. Sie bewegen sich und tanzen zwischen den Blättern und Zweigen der Bäume und fliegen nach oben und verschwinden im Himmel.

Im Bauernhof marschieren die Kühe faul zur Wiese und ihre Beine und Hufen stecken im Schlamm. Sie laufen langsam und muhen; muhen und schreien, dass ein neuer Tag angefangen hat.

Die Bauern sind schon auf der Plantage und reden miteinander, lachen und plaudern wie Kanarienvögel, um einen Rhythmus für ihre sich wiederholende Arbeit zu finden. Sie nehmen jeden Ast voll mit roten Kaffeebohnen, fahren mit ihren Händen den Ast entlang und die geschwollenen Kaffeebohnen fallen in die Körbe.

Überall auf den Plantagen stehen Bananenpflanzen, die mit ihren riesigen Blättern als Schirme für die Bauern dienen. Ihre Blüten hängen wie purpurne Lampen von den Stängeln. Sie haben weiße Staubblätter, in die Hunderte von Kolibris ihre langen Schnäbel stecken.

Eins, zwei, drei kommen gleichzeitig, um das süße Elixier zu genießen. Sie wechseln von einer Pflanze zur anderen, synchronisiert wie eine Armee, die bestimmte Manöver auf dem Feld erledigen muss.

Im Bauernhof mahlen die Frauen den Mais. Sie nehmen die Maiskolben einen nach dem anderen, entfernen die grünen Blätter und schneiden mit einem Messer die milchigen Bohnen ab, die sich mithilfe einer Getreidemühle in einen weichen Teig verwandeln.

Ein Turm aus Tortillas ist für das Mittagessen vorbereitet und drinnen im Herd brennt das Holz pausenlos, um die Fleischsuppe zu kochen.

Es ist Mittag und die Sonne teilt den Himmel in zwei, Licht und Schatten. Die Männer sind fertig mit der Kaffeeladung für den Tag und füllen die Ochsenwagen mit Dutzenden duftenden Säcke mit Bohnen. Der Zug der Ochsenwagen fängt unten am Weg an. Sie fahren langsam und voll beladen zum Dorf, wenn die Ernte dieses Nachmittags verkauft wird.

Die Kinder laufen von der Schule nach Hause und die Mütter warten auf sie auf den Korridoren mit einem Glas frischer Milch. Die Bauern sind auch vom Feld gekommen und werfen erleichtert ihre schmutzigen Arbeitsstiefel auf den Küchenboden.

Die Frauen kommen und stellen Teller mit warmem Reis, Fleischsuppe und Tortillas auf den Tisch.

Ein Vogelschwarm fliegt durch den Himmel und der Lärm rumpelt wie Donner in der Höhe und auch auf der Erde. Die Sonne wickelt sich plötzlich in eine Wolkendecke und der Himmel ist grau und bedrohlich.

Riesige Wassertropfen fangen an, vom Himmel zu fallen und schlagen wie mit einem Hammer auf die Blechdächer der kleinen Häuser des Dorfes. Eine Frauen-Stampede mit Schürzen läuft nach draußen, um die getrocknete Wäsche reinzuholen.

Ein heftiger Regen fällt auf das Dorf, auf die Plantagen, auf das Gras, das die Kühe fressen und auf die Erde. Die Bäche, die sich durch die Wiesen winden, sind voll mit Wasser und der Fluss brüllt, während seine Wellen an die Steine wie schwere Hände mit riesigen Trommeln schlagen.

Die Kröten springen auf die Wiese am Flussufer, auf den Weg und die Blumen schaukeln wegen des Windes von einer Seite zur anderen, wie kleine Tänzerinnen, die einen besonderen Tanz nur für den Regen anbieten.

Der Regenguss beherrscht alles und alles tanzt, mit seiner Musik, mit dem Rhythmus des Lebens, und überall erneuert sich das Leben und die Erde pocht im Inneren, mit jedem Wassertropfen auf dem Feld, auf dem Steinweg, auf der Bepflanzung.

Das Leben in dem Dorf singt wie ein Mädchen, das sich im Fluss badet und ihr langes und lockiges Haar im Wasser einweicht. Sie singt das Lied vom Mais, von Kaffee, von Gras und Pflanzen, der feuchten Erde und den Samen, die morgen keimen werden.

Das Leben geht weiter und nach dem Regen kommt die Nacht und noch mal ein neuer Sonnenaufgang und alles wird noch mal dem weisen und eindeutigen Verlauf der Natur folgen.


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