One Drop Only für Oma Leila

An diesem Abend übernachten wir bei Oma Leila. Ihr Sohn Lolot lud unser Gepäck von seinem Kamel Samir ab, das sich ungeduldig vor der Haustür niederlegte und nach Wasser und Pause sehnte.

Vor der Tür stand Oma Leila. Sie streckte ihre Hände aus und begrüßte uns mit einer lauten, klaren und rauen Stimme, „Ahlan Wa Sahlan!“ (Herzlich willkommen!). Sie trug einen schwarzen Abaya mit einem schwarzen Kopftuch. Ein schwarzer Chiffon versteckte ihr Gesicht bis zu ihren Augen, die wie der Mondschein glänzten.

Wir folgten ihr durch die Tür. Sie besaß ein großes Grundstück. Am Hang war ihr Garten und das Steinhaus befand sich auf einem Hügel. Auf der Terrasse hatte sie schon ein Lagerfeuer angezündet. Sie brachte uns frische Trauben und Mandeln aus ihrem Garten. Lolot grillte zwei Hühnchen. Der Duft verbreitete sich in der nächtlichen Luft. Leila stellte Fladenbrot und den Salat mit Tomaten und Gurken auf den Tisch und lud uns zum Essen. Jetzt nahm sie den Chiffon weg und ich sah ihr lachendes Gesicht. Ein ovales Gesicht gezeichnet von viel Arbeit in der Sonne und im Wind, feine Falten hatten sich in die Mundwinkel gegraben. Sonst war ihre olivfarbige Haut makellos. Als sie sprach, sah ich gelbe und verfallene Zähne. Lolot erklärte uns, dass ihre 75-jährige Mutter wegen ihrer Zahnschmerzen den schwarzen Chiffon benutze, nur um ihre schlechten Zähne zu verstecken. Seit dem Tod seines Vaters wohne sie allein und er helfe ihr, wenn sie Gäste habe. Sie sei stur und wolle selbstständig sein.

Oma Leila erzählte Witze, lachte laut mit Handgestik. Ihre Falten lachten mit. In ihrem Mund sah ich eine leere Stelle in einem vorderen Zahn. Ab und zu bedeckte sie ihren Mund mit ihrer Hand, als sie sprach.

Nach dem Essen putzte ich meine Zähne und reinigte sie mit Zahnseide und Mundwasser. Dann wusch ich mein Gesicht mit Reinigungsmilch und einem Wattepad. Lolot hockte auf einem flachen Stein, mich aufmerksam beobachtend. Er deutete auf die kleine Flasche Mundwasser, die ich gerade benutzte hatte.
„Was ist das denn?“, fragte er mich.
„Das ist One Drop only, Mundwasser Konzentrat aus Deutschland. Ich habe das während meines Urlaubs in Deutschland gekauft“, antwortete ich ihn.
„Ob das meiner Mutter gegen Zahnschmerzen helfen würde?“, fragte er mich wieder.
„Kann sein“, sagte ich und sah in sein Gesicht , das voller Erwartung war. In diesem Gebiet gab es nur einen kleinen Kiosk und die Leute hatten meistens schlechte Zähne, weil sie Tabak rauchten und viel Zucker aßen. Mundwasser hatte Lolot vielleicht niemals in seinem Leben gesehen.
„Lolot, du kannst das behalten. Ich habe mehr als 20 Flaschen zu Hause“, sagte ich.
„Danke, danke! Ich gebe es meiner Mutter sofort“, schrie Lolot so freudig, dass ich mich so großzügig fühlte.

Beim Frühstück traf ich Oma Leila wieder. Sie nahm meine Hände, um sich bei mir zu bedanken. „Oma Leila, du bist schön wie der Mond“, sagte ich auf Arabisch. Lolot lud unser Gepäck wieder auf Samir auf. Wir verabschiedeten uns von Oma Leila. Sie winkte, lachte und zeigte ihre Zähne.

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