Ein steril blau-weißer Ort

von Angela Delgado

Es war ein normaler Sonntag im Oktober. Als ich aufstand, bemerkte einen leichten, stechenden Schmerz im Unterbauch. Aber fünf Minuten später war er weg. Am Nachmittag ging ich zu meiner Freundin und wir bereiteten zusammen eine Präsentation für die nächsten Tage vor. Der Tag verging ganz normal: Wir lernten, aßen etwas, unterhielten uns, und am Abend ging ich nach Hause.

Ich hätte mir nie vorstellen können, was als Nächstes passieren würde, nicht einmal in meinen schlimmsten Albträumen. An diesem Sonntag um 23 Uhr schlief ich bereits, als ich wegen des Schmerzes plötzlich aufwachte, aber diesmal war er stärker und ich konnte nicht mehr schlafen. Ich schwitzte. Hatte Fieber, glaubte ich. Nach 20 Minuten habe ich meiner Mama Bescheid gesagt, was mit mir passiert war. Eine Weile später war ich mit ihr im Krankenhaus. Alles blau und weiß.

Mein Leben verlangsamte sich wie ein Film, als ich im Krankenhaus war. Dieser Ort ist so steril wie die Bilder. Ich war noch nie dort. Die weißen Wände sind so hell, dass man eine Mücke schon von weitem sehen könnte. Ich lag auf einer Liege in einem kleinen, kalten Raum. Alle haben mir viele Fragen gestellt: die Krankenschwester, der Arzt, der Mann im Labor. Aber ich konnte nur an meine Schmerzen denken. Der Arzt, ein großer, grauhaariger Mann mit brauen Augen und einem ruhigen, freundlichen und intelligenten Gesichtsausdruck untersuchte mich. Er rieb seine Hände aneinander, um sie aufzuwärmen, bevor er meinen Bauch berührte, und sagte mir: „Bitte lassen Sie mich wissen, wenn es irgendwo weh tut.“ Aaargh! Ich hatte starke Schmerzen, als er meinen Unterbauch rechts drückte. Er ließ los und sprach dann mit meiner Mutter über meine Symptome. Am Ende sagte er: „Sie muss wegen der Blinddarmentzündung operiert werden“. Was!? Was ist los? Oh Gott, oh Gott, oh Gott! Ich konnte keine Entscheidung allein treffen, da ich minderjährig bin (Ich war 16), und es war sowieso ein Notfall. Meine Mutter stellte viele Fragen und stimmte am Ende dem Arzt zu.

Fast alles war fertig: das Labor, der Operationssaal, das Personal. Mir war kalt, weil ich einen sehr dünnen blauen Patientenkittel trug, und ich hatte große Angst. Das war ein anderer Raum mit gleichen Farben: weiß und blau. Ich fragte mich, warum das so ist, aber es stört mich nicht, im Gegenteil, es beruhigte mich.

Ich lag auf einer anderen Liege und es gab einige Computer, die ich noch nie gesehen hatte, aber mit rhythmischen Klängen. Ich fühlte mich, als ob ich Frankenstein wäre, denn ich hatte so viele Kabel an meinem Körper. Einige Kabel waren auf meinem Brustkorb, die mich mit den Computern vernetzten. Ah! Ich erkannte den Ton, glaubte ich. Das ist mein Herz! Pi-pi, pi-pi, pi-pi. Ein weiteres an meinem rechten Unterarm, das mit einer Wasserflasche verknüpft war, aus der eine Flüssigkeit in meinen Körper tropfte. Eine Zeit lang zählte ich die Tropfen, 41, 42, 43, 44 …

Eine Frau mit zart geschminkten Augenlidern und einem Mundschutz sah mich vom Oberkopf aus an und erklärte: „Atmen Sie tief in diese Maske und zählen Sie bis zehn“. Ich sah die riesige runde Lampe mit weißem Glühlampenlicht über mir hängen und begann zu zählen: eins, zwei, drei, vier …

Wo war ich? In der Wüste? Es gab Sand überall und es war windig. Ich war einen Moment lang gelaufen, aber ich wusste nicht, wohin ich gehen sollte. Plötzlich sah ich in der Ferne zwei Kinder, die vielleicht vier oder fünf Jahre waren. Sie standen vor etwas, das wie der Eingang zu einer Höhle aussah. Sie zeigten mit ihren Händen auf mich, um näher heranzukommen. Ich ging dorthin, aber sie betraten die Höhle zuerst. Ich hörte ihr Lachen, aber konnte sie nicht sehen, alles war ziemlich dunkel. Ich lief und lief, und plötzlich befand ich mich in einem Labyrinth, aus dem ich keinen Ausweg kannte. Ich hatte Angst, mir war heiß und ich war völlig verschwitzt. Dann gab es einen langen Gang mit einer großen Tür aus Metall. Sie sagten mir: „Komm, komm, komm“. Sie öffneten die Tür, und man konnte nur ein helles Licht sehen. Dann verschwanden sie plötzlich im Licht. Ich ging langsam zur Tür, aber jemand hinter mir rief mir zu. Anna! Wach auf! „Es ist alles in Ordnung, jetzt ist alles vorbei.”

Ich war wieder in einem anderen sterilen, weißen Raum. Ich konnte hören und öffnete meine Augen. Alles war verschwommen. Ich erkannte die Stimme. Die Frau mit den geschminkten Augenlidern. Ich hatte das Gefühl, dass sie gefesselt war. Ich konnte keinen Finger bewegen, aber als die Minuten vergingen, konnte ich mich bewegen. Die Frau sagte erneut: „Alles wird gut, ruhen Sie sich aus“. Einige Zeit später streichelte meine Mutter neben mir meinen Kopf und sagte zu mir: „Es geht dir jetzt besser, mein Kind, wir werden bald nach Hause gehen“.

Ich werde nicht in der Lage sein, diesen kalten, blauen, weißen und sterilen Ort zu vergessen.

Foto: www.pixabay.com

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