Soundtrack meines Lebens

Zufällig hörte ich das Lied im Radio, als ich nach der Uni in meinem Datsun 1000, von 1969, fuhr. Ich hatte es nie zuvor gehört, es war keine Popmusik. Aber ich mochte die Melodie sofort. Es war melancholisch und ergreifend. Traurig und schmerzhaft. Geige, Gitarre und die Stimme. Ich konnte nur einige Worte erkennen, etwas über staubiges Delta, Tallahassee Brücke und jemanden, der Billy Joe hieß. Und dann fing das nächste Lied an. Ohne Ansage.

Beim Fahren konnte ich natürlich keine Notizen machen, ich konnte nur das Auto an der Bushaltestelle anhalten und mein Notizbuch im Handschuhfach suchen. Der Stift war vertrocknet, aber ich konnte noch etwas kritzeln.

Anfang der 90er Jahre gab es keinen Musikdienst im Internet, wo ich den Namen des Liedes gefunden hätte. Ich versuchte es mithilfe des Bibliothekars, ohne Erfolg. Ich versuchte es mithilfe damaliger Suchmaschinen wie Altavista, Lycos und Yahoo, ohne Erfolg. Ich konnte das Lied nicht finden. Und es wurde nie mehr im Radio gespielt. Nie. Ich hatte nur die wenigen Worte auf der Notiz, die ich sorgfältig speicherte.

Etwa zehn Jahre später erinnerte ich mich wieder an das Lied und die Notiz. Es gab schon viele Musikdienste, die mir helfen könnten. Aber die Notiz hatte ich verlegt. Panik. Jetzt würde ich das Lied nie mehr finden. Was war es. Wie hieß er? Wo geschah alles? Langsam fand ich den Namen Billy Joe in meinem Gehirn, danach auch Tallahassee

Zuerst gab es viel zu viele Suchergebnisse, nichts Treffendes. Ich war gründlich. Ich war ausführlich. Ich führte eine Suche nach der anderen mit wenig geänderten Suchworten durch. Ich hatte neue Hoffnung, mein Lieblingslied wiederzufinden. Und endlich, nach viel zu vielen Suchversuchen, fand ich den Namen und konnte das Lied herunterladen. 

Das war das zweite Mal, dass ich je das Lied hörte. Und die Gänsehaut, die ich hatte, war genauso wie vor zehn Jahren. Es war wie einen längst verlorenen Freund wiederzusehen. Es war, als würde ein kleines Loch in mir gefüllt. Etwas, nach dem ich mich zehn Jahre lang gesehnt hatte, hatte ich gefunden.

Ode to Billy Joe heißt das Lied. Bobbie Gentry heißt die Sängerin, die das Lied 1967 komponierte.

Heutzutage findet man das Lied sofort bei Google mit Suchbegriffen “billy joe tallahassee”. Obwohl das Lied über Tallahatchie Bridge erzählt.

Foto: Pxhere

Ein Gedanke zu “Soundtrack meines Lebens

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.