Schöne Sache

Ich habe viele Orte besucht, rund um die Welt. 

Ich habe viele Sachen gesehen, auf der ganzen Welt.

Ich bin auf der großen Mauer in China gelaufen. Ich habe in den kleinen Restaurants im Westen der Mauer gegessen. Im Osten der Mauer bin ich in Touristenfallen übers Ohr gehauen worden. 

Die Golden Gate Bridge habe ich von beiden Seiten gesehen und bin drübergefahren. Ich habe am Venice Beach in LA ein Sonnenbad genommen und habe in pfauenblauem Wasser auf den Malediven getaucht.

Nur am schönsten finde ich etwas, was ich schon immer hatte.

Den Blick über den See. Den See am Sommerhaus. 

Wie die Sonne das andere Ufer beleuchtet. Wie die Wellen leise spielen.

Ich war etwa zehn Jahre alt, als meine Großeltern das Haus erwarben. 

Den Blick sah ich damals überhaupt nicht. Ich dachte nur, dass der See sehr flach wäre. Und das Wasser schlammig.

Jahre später, einen Sommer lang, am Anfang meines Studiums, nannte ich das Haus mein Zuhause. Klein, weit weg von der Uni und billig. Das heißt kostenlos. 

Aber den Blick, den sah ich immer noch nicht.

Ich zog in eine andere Stadt um, sah die Wunder der Welt, und mein Blick verlor sich. 

Erst dann verstand ich, dass man nicht weit reisen muss, wenn man das schönste schon bei sich hat.

Foto: Aattu Haara

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