Die Kuh

Die Kuh steht ruhig in der Mitte des Feldes. Sie kaut ihr Mittagessen wieder, wie einen riesigen Kaugummi und ignoriert die Umgebung. Ich gehe näher, versuche die Kuh nicht zu erschrecken. Sie dreht den Kopf und blickt mich gelassen an. Ihr Kauen geht ohne Unterbrechung weiter.

“Und ich denke, dass ich’s gut bei dir hab”, singen die Prinzen in meinen Ohren.

Sie lächelt mich an, oder jedenfalls sieht es so aus. Ihre Augen, die ziemlich weit weg voneinander stehen, haben die bezaubernde Qualität, dass sie, obwohl sie ganz schwarz sind, das Kuhgesicht freundlich machen. Die Kuh muht leise, um mich zu begrüßen.

Die Ohren sind neugierig nach vorne gelegt. Die Kuh geht auf mich zu, immer noch kauend, und hebt ihre Nase.

“Küssen verboten, streng verboten!”, singen Die Prinzen.

Die Kuh schnuppert die Luft, und entscheidet, dass ich interessant bin. Sie kommt näher. Die Nase hat zwei schleimige Nüstern, wie zwei Gruben in breite, schwarz-weiße Fläche. Die Kuh verschwindet als sie nahe bei mir steht. Optisch gibt es nur den Kopf hinter der Nase. Die Kuh ist jetzt der Kopf und zwei kleine Beine, ohne Körper. Die Ohren sind immer noch freundlich, aber dann öffnet die Kuh den Mund und lässt die Zunge heraus. 

“Ich sah große feuchte Lippen, und ich konnte nur noch schreien”, singen die Prinzen. 

Die Zunge trifft mein Gesicht und hinterlässt eine Spur von Kuhschleim. Mein Kiefer, meine Nase und Stirn sind mit feuchtem Zeug bedeckt. Mein Blick ist verschwommen. Ich schreie, trete zurück und versuche meine Augen abzuwischen. Die Kuh ist schockiert, sie muht scheel, dreht sich um und läuft weg mit hoch erhobenem Schwanz. Ich bleibe.

“Küssen ist bei mir nicht erlaubt”, singen die Prinzen in meinen Ohren.

Foto: Unsplash. Die Zitate aus Prinzen: Küssen verboten

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