Sonntagmorgen

Ich binde den dünnen Morgenmantel zu und glätte die Falten mit meiner Hand aus. Ich mag den Stoff der weichen Seide. Der Holzboden knarrt unter meinen Füßen. Ich höre die lockende Jazzmusik. Auch wenn ich blind wäre, würde mich die leichte Melodie ins Wohnzimmer führen. Die Brise wippt meinen Morgenmantel auf, als ich ins Zimmer eintrete. Das Balkonfenster ist offen. Der aromatische Duft des Kaffees ruft mich. Die Zeitung liegt schon auf dem Balkontisch, der Kaffee dampft in der blumigen Kanne, auf dem Teller liegen Butterbrezel und Croissants. Ein Schoko- und ein Aprikosencroissant. Ich erinnere mich an den Tag, als eine Nussschnecke auf dem Teller lag. Sie hat den ganzen Morgen verdorben.

Ich mag wie die Artikel die Zeitung gliedern. Die meisten Menschen werden von dem Geraschel des Papiers nervös. Ich aber nicht. Das Blättern mag ich am liebsten. Ich lese gespannt die Wochenend – Nachrichten: ein heftiger Straßenkampf, Demonstranten, gerechte Tierhaltung, ein Mango – Beeren Eiscreme Rezept.

Manchmal nachdem ich die Zeitung durchgeblättert habe, hole ich mir auch noch ein Magazin. Ich gehe Zick Zack im Zimmer um nicht über die Töpfe zu stolpern. Mein Freund topft jeden Sonntag Pflanzen um. Seine Augen funkeln, während er seine Hand tief in die Erde bohrt. Ich setze mich wieder an den Tisch und schenke noch Kaffee in die Tasse ein. Zu viel Kaffee tut meinem Magen nicht gut. Ich kümmere mich aber nicht darum.

Manchmal wird es schon 14 Uhr und ich blättere immer noch in den Zeitungen. Ohne Scham. Das Saxophon Solo mag ich am besten. Manchmal wenn ich die Stimme des Saxofons höre, schmiere ich extra Butter auf die Brezel.

Mein herrliches Frühstück lockt auch die Bienen an. Eine dicke Hummel will mein Aprikosencroissant kosten. Ich scheuche sie weg. Heute fällt mir aber etwas auf. Die Bienen fliegen auf die rosa Blumen, nicht auf die gelben. Es macht mich nachdenklich. Vielleicht ändern sie ihre Gewohnheiten auch, weil Sonntag ist.

Die gemütliche Jazzmusik schweigt. Mein Freund wechselt zu Popmusik. Ich trinke meinen Kaffee aus, werfe die Zeitungen auf den Boden und gehe rein. Der Sonntagmorgen ist vorbei.

Foto: www.pixabay.com

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