Reifen

Sie wiegen leise in der Luft. Die sechs schwarzen Reifen. Und zwölf Ketten. Schaukeln.

Er sitzt auf der Bank und schaut die Schaukeln an. Der Rahmen ist aus verzinktem Stahl hergestellt. Der Sand unter dem Rahmen ist weich, fast weiß.

Die Luft ist stehend, erstickend. Kein Wind. Die Räder sind leer, der Sonnenschein schmilzt den schwarzen Kautschuk. Er kann ihn riechen, den warmen, weichen, erstickenden Kautschuk. Die Reifen wiegen leise in der Luft.

Rund ist auch die Sandfläche. Rund unter dem Rahmen. Runder Sand mitten auf dem grünen Rasen. In der Mitte von grünem, leerem Gras. Hinter dem Gras steht eine Spielhütte, aus Sperrholz. Ausgewaschene roten Wände, grünes Dach. Leer.  

Er erinnert sich an die Tage, als die Schaukeln nicht leer waren. Der Schein der Sonne war heiß, die Luft war nicht leise. Sie war voll von freudvollen Schreien, begeisterten Ausrufe, verspielten Bewegungen. Die Mütter standen um den Rahmen herum, überwachten, dass trotz der wilden Aktion nichts Schlimmes passierte. Er saß nur dort, ließ sich von der guten Laune erfrischen, atmete die fröhliche Luft ein.

Er erinnert sich an die Mutter, die einmal von der Schaukel wegsah, und ihn anlächelte. Er hat mit der Hand gewunken. 

Er erinnert sich. Das Gefühl ist zurück. Er lächelt. Seine Augen sehen in die Vergangenheit.

Er erinnert sich daran, wie er einmal die Mutter gegrüßt, einen Augenblick mit ihr gesprochen hat. Die Kinder schwangen in der Schaukel immer höher. Die fröhlichen Schreie. Die eifrigen Ausrufe.

Und dann verschwanden sie alle.

Er sieht die sich leise in der Luft wiegenden Reifen. Die Stimmung verfliegt. Er steht auf, sieht von den sechs schwarzen Reifen weg, geht um den Rahmen. Die Schatten werden länger, die Luft ist immer noch heiß.

Vielleicht morgen. Kommen sie alle zurück.

Foto: Aattu Haara

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