UnanTastBar

Mit meinem Bier in der Hand suche ich einen guten Platz. So einen, von dem aus ich den ganzen Raum sehen könnte, aber noch etwas versteckt. Die Bar ist fast leer. Es ist zwar Freitag, aber noch Nachmittag. Mit meinen neuen Freunden bin ich oft hier, wegen der guten Stimmung und der Nähe zur Uni. Ich fühle mich hier beinahe wie zuhause. Heimweh, ja, aber das erste Bier wird helfen.

 Zwei ältere Frauen sitzen an einem Bartisch und lächeln mir zu. Ich versuche, sie zu umgehen, aber die mir am nächsten sitzende streckt den Arm aus, um mich anzuhalten.

– Hallo, Schöner. Bist du neu hier?, fragt die Frau. Ich kann die vielen Mittagsbiere in ihrer Stimme hören. Die andere Frau lächelt auch, aber sagt nichts. Es fehlt ihr ein Zahn.

– Ja, antworte ich, und versuche weiterzugehen. Ich habe ja einen guten Platz hinten gesehen, und will ihn einnehmen. Sie zieht ihren Arm nicht zurück.

– Möchtest du nicht bei uns sitzen, sagt die Frau und zwinkert ihrer Freundin zu. 

Ich lehne höflich ab und versuche weiterzukommen. Ihr Arm bewegt sich jetzt, die Hand kommt auf mich zu und packt in meinem Schritt zu.

– Was hast du denn hier, eine schöne Packung, sagt sie. Ich bin wie betäubt. So was passiert nicht wirklich. Ich trete zurück, gehe zu einem Stehtisch an der Tür, weit weg von den Frauen. Ich kann noch ihr Lachen hören. Ich trinke das Bier aus und gehe nach Hause.

Später sagen mir meine Freunde, dass es eine Ehre für mich gewesen sei und dass ich zufrieden sein sollte.

Der Text hat den 3. Platz in “Würde ist kein Konjunktiv!” Wettbewerb gewonnen.

Foto: unsplash.com

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