Extravertiert

Alle betrachteten mich als extravertiert, aber das bin ich nicht mehr. Jetzt bin ich anders.

Ich trage ein Kleid, dass zu eng für mich ist. Ein Kleid: zu kurz, ohne Farben, ohne Muster, ohne Blumen, dass keine Puffärmel hat, sondern langweilige Stoffteile, die meine Schulter bedecken. 

Ich trage einen Rollkragen mit Ameisen, die immer nach oben steigen. Sie stecken sich in meine Ohren. Ich kann nicht mehr hören. Alle sprechen zu mir, aber ich fühle nur Kratzen, im Hals, auf meinem Rücken.

Ich sehe meine Fotos, aber ich sehe mich nicht. Sie ist eine Betrügerin, die die letzte 30 Jahre für mich gelebt hat.

Ich sehe ein anderes Gesicht im Spiegel. Die Augen mit anderer Farbe, helles Haar, ein Zahn ohne Nerv, mit Erschöpfung in der Pupille. Ich habe mich mit einer dicken Haut vermummt.

Ich sehe kleine Federn, die plötzlich auf meinem Rücken gewachsen sind. Ich leide unter einer Verwandlung, um ein neues Wesen zu werden. Eine Kreatur, die richtige Worte werfen wird, ohne Fehler, ohne Schwäche. Sie wird ohne Luftwiderstand fliegen, mit Augen am Himmel, keine Beschämung, nur Flügel, in der Mitte der Gewitter.

Foto: www.gochoversolaripoeta.blog

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