salami

Kleine Sünde

Ich lausche nach hektischen Schritten im Korridor und warte geduldig. Heute bleibe ich nach zwei Monaten endlich alleine im Haus. Nur für wenige Stunden, aber das sollte reichen.

“Tschüss, Mama!” Meine Tochter stürmt ins Schlafzimmer und umarmt mich.

“Viel Spaß in der Schule!”, murmle ich und gähne. Mein Mann steht schon in der Schlange, mich zu küssen.

Als hinter den Beiden endlich die Tür ins Schloss fällt, springe ich aus dem Bett. Mein Tag! Oh, Gott! Im Nachthemd laufe ich in die Küche. Aus dem Inneren des Regals hole ich sehnsüchtig alles, was ich in den letzten Tagen heimlich gekauft habe: eine Salami-Stange, ein Baguette, zwei große Packungen Kartoffelchips und eine Flasche Cola. Dann wühle ich im Gefrierschrank und nehme noch dazu ein gut verstecktes Stück Torte heraus.

Allein zu Hause. Kein vorbildliches Essen, kein Gemüse, keine Salate, kein Haferbrei. Ich atme erleichtert auf. Dann schenke ich mir ein Glas Cola ein und beiße genüsslich in meiner Salami.

“M-m-m-m… Himmlisch…”

Ich serviere mir alles auf dem Tablett, voll beladen marschiere ich zum Sofa und schalte den Fernseher ein. Nur eins noch. Ich hole mein Handy und stelle den Wecker ein, sodass ich rechtzeitig noch alle Spuren verwischen kann. Ich bin doch eine vorbildliche Mama.

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