Sweet kiss

Ich bin seit einer Stunde damit beschäftigt, mir schöne Locken und ein perfektes Make-up zu zaubern. Um meine Bekleidung kümmere ich mich nicht viel. Ich ziehe mir ein gedrucktes T-Shirt und eine Jeans an, dazu nehme ich schwarze Schuhe mit hohen Absätzen. Wir werfen uns lächelnd in die spanische Nacht hinein. Wir sind so aufgeregt, wie die Kinder, die in den Vergnügungspark gehen.

Unsere Wahl fällt auf eine kleine Bar, wo man auch tanzen kann. Die ganze Bar lebt und wir leben mit. Wir gehen auf den Tanzboden und stoßen zu den schaukelnden Hüften, fliegenden Zöpfen und winkenden Augen dazu. Wir sind von den Lichtern berauscht, tanzen in die rote, dann in die grüne Farbe hinein. Ich beobachte wie der Cocktailshaker hochfliegt und hundertmal seine Farbe wechselt bevor er in der nach ihr greifenden Hand landet.

Während ich neben meiner Freundin tanze, trifft mein Blick sich mit seinem immer öfter. Wir kennen einander erst seit ein paar Tagen, trotzdem beruhigt mich, dass er da ist. Er besorgt uns ein Gin Tonic und wir alle unterhalten uns an der Bar weiter. Ich bin schon müde vom Lachen, sitze gemütlich auf dem Barhocker, als eine langsame Melodie ertönt. Er führt mich auf die Tanzfläche, legt seine Hände auf meine Taille und zieht mich zart zu sich. Wir lächeln verlegen, unsere Gesichter nähern sich einander.

Ich habe das Gefühl, als ob wir in einem Körper wären und die Luft in die gleiche Lunge einatmen würden. Ich höre meinen Herzschlag in meinen Ohren, es tickt, wie eine Uhr und zählt die Sekunden zurück, bis der richtige Moment kommt. Er berührt mein Gesicht mit seinen weichen Händen und sieht tief in meine Augen.

Er küsst mich. Ich küsse ihn. Die Uhr bleibt stehen.
Ich höre die Musik nicht mehr. Ich sehe keine Menschen. Ich weiß nicht, ob ich lebe oder tot bin. Ich weiß nicht wer ich bin. Ich bin ein warmes Gefühl. Ich bin die gefrorene Zeit. Ich bin ein zauberhaftes Klischee, von dem man denkt, dass es nur in Filmen vorkommt.

Ich weiß nicht, wie lange unsere Lippen einander nicht loslassen. Es vergeht eine Minute, eine Stunde oder vielleicht ein ganzes Leben.
Nach dem Kuss falle ich langsam in die Welt zurück, die wir für real halten. Ich sehe die Menschen wieder, nehme die Musik und die Farben wahr. Alles läuft wie üblich weiter.

Der Urlaub endet nach ein paar Tagen. Wir verabschieden uns an dem geräuschvollen Flughafen. Ich weiß, dass wir einander das letzte Mal sehen. Ein perfekter Anfang hat nie ein perfektes Ende.
Das Wetter ist ungewöhnlich trüb. Der starke Wind schüttelt wütend das Flugzeug. Er will mich endgültig aus dem Traum wecken. Um mich herum sind besorgte Gesichter und verwirrte Blicke. Ich trinke noch einen Schluck Bier und lehne mich nach hinten. Ich war noch nie so ruhig wie jetzt.

Foto: www.pixabay.com

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