Die Wäsche

Die Wäsche hänge ich jetzt auf, habe gerade die weiße gewaschen. Meine Hände und Arme sind rot bis zum Ellbogen, das Wasser war heiß, das Waschpulver kräftig. Es muss so sein, um die Weißen weiß zu halten. 

Meine Haut mag das Waschen nicht, sie wird immer trocken und kratzig. Zum Glück habe ich eine gute Handcreme aus der Stadt bekommen. Gute Dinge habe ich aus der Stadt bekommen, auch neue Bettwäsche. Vielleicht besuche ich die Stadt auch, eines Tages.

Ich weiß, dass ich eitel bin, aber kleine Dinge darf man sich gönnen. Ich will mir Zeit nehmen, mich ruhig um meine Hände und meinen Körper zu kümmern. Ich will das doch später tun, zuerst muss ich die Wäsche aufhängen. Sie hängt sich nicht selbst, wie meine Mama immer sagte. Sie war nicht eitel, sie war arbeitsam, sie war fleißig. Vier Kinder, ein Haushalt und einen Job, alles hatte sie geschafft. Sie war ja auch gesund, bis zum letzten Tag. Sie starb sowieso, gesund oder nicht. Ich konnte nie so viel leisten, manchmal tut es mir weh, nur zu laufen.

Mein Haus ist immer sauber. Mir ist es wichtig, dass die Nachbarschaft das auch sieht. Weiße Wäsche glitzert in der Sonne, spiegelt, glüht und wogt im Wind. Ich mag es, sie anzuschauen. Sauber und schön. Ich könnte nur so sitzen bleiben und meine Augen auf der Aussicht ruhen lassen. Aber kann das doch nicht lange. Muss auch Geschirr spülen.

Die Dorfleute gehen vorbei, schauen meine weiße Wäsche an. Sie sehen, dass meine Wäsche sauber ist, dass ich sauber bin. Mit alter Wäsche aber hilft das kräftigste Waschmittel nicht mehr. Sie wird gelblich, muffig. So eine kann ich nicht mehr aufhängen. Was würden die Dorfleute denken? Dass ich die Wäsche nicht gewaschen habe, sie nur lüften will?

Zwischen die weißen Bettwäschen kann ich auch meine Unterwäsche hängen, unscheinbar. Meine Unterwäsche ist auch weiß und weich. Die Sonne und der Wind machen sie so. Solche Kleidung zu tragen ist ein Genuss. Auf meiner Haut will ich nur weichen Stoff fühlen. Eitel, vielleicht, notwendig, absolut. 

Manchmal finde ich es lustig, die Dorfleute zu beobachten, wenn sie da stehen, in der Sonne, ohne Schatten, versuchen meine Unterkleidung zu sehen, zwischen flatternden Bettwäschen. Eines Tages wird jemand mutig genug sein, um den Hof zu betreten und in das Haus eingeladen zu werden. Ich will Kaffee machen, und frische Brötchen anbieten. Noch hat niemand gewagt, hinein zu kommen. Sie winken nur vom Weg aus und ich winke zurück. Alles geschieht in seinem eigenen Tempo.

Foto: www.unsplash.com

Ein Gedanke zu “Die Wäsche

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.