Wie lebt es sich als Russin in Deutschland

„Woher kommen Sie?“, fragte mich ein junger Mann und schaute mich fröhlich durch die dicken, nach innen gewölbten GlĂ€ser an.

Ich seufzte. Der arme Kerl meinte es bestimmt nicht böse. Es ist nicht seine Schuld, dass ich diese Frage schon zum 3745. Mal hörte.

„Aus Russland“, sagte ich und fĂŒhlte, wie meine ZĂ€hne anfangen, unwillkĂŒrlich zu kreischen.

„Oh, ich dachte, sie kommen aus Schweden oder so“, meinte er und zeigte mir, wo ich unterschreiben sollte.

Ich zwang mich zu lÀcheln. Wortlos kritzelte ich mein HÀkchen.

„Einen schönen Tag“, brummte ich und machte mich aus dem Staub.

Laut Statistischem Bundesamt leben in Deutschland rund 11 Millionen Menschen ohne deutschen Pass und noch 21 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. Mit anderen Worten kommt jeder Dritte, der in Deutschland lebt, ursprĂŒnglich nicht aus Deutschland. Die grĂ¶ĂŸte Gruppe besteht aus TĂŒrken, die zweitgrĂ¶ĂŸte Gruppe sind Polen, die von der Sprache und dem Gesichtstyp her oft mit Russen verwechselt werden. Die Russen liegen auf dem zehnten Platz.

In diesem Zusammenhang muss auch erwĂ€hnt werden, dass es in Deutschland selbst laut Sprachwissenschaftler in 16 BundeslĂ€nder 20 großen Dialektgruppen gibt, die so unterschiedlich sind, dass die Menschen aus verschiedenen Regionen, die deutsche Wurzeln haben und jahrelang eine deutsche Schule besucht haben, sich oft nicht verstĂ€ndigen können. Zum Verglich, Russland, das grĂ¶ĂŸte Land der Welt mit einer FlĂ€che von rund 17 Millionen Quadratkilometern, bleibt ein dialektfreies Land.

Aufgrund der oben genannten Tatsachen ist es schwer verstĂ€ndlich, warum eine ungesunde Neugier bezĂŒglich der Herkunft bis jetzt noch nicht als unangemessen gilt, genau wie die Fragen nach Gehalt, Religion oder sexueller Orientierung.

P.S.

„So ein schickes Auto! Wie viel verdienen Sie?“, fragte mich ein junger Mann und schaute mich fröhlich durch die dicken, nach innen gewölbten GlĂ€ser an.

Ich seufzte. Der arme Kerl meinte es bestimmt nicht böse. Es ist nicht seine Schuld, dass ich diese Frage schon zum 3745. Mal hörte.

„Zwei Tausend“, sagte ich und fĂŒhlte, wie meine ZĂ€hne anfangen, unwillkĂŒrlich zu kreischen.

„Oh, ich dachte, sie verdienen mindesten fĂŒnf“, meinte er und zeigte mir, wo ich unterschreiben sollte.

Ich zwang mich zu lÀcheln. Wortlos kritzelte ich mein HÀkchen.

„Einen schönen Tag“, brummte ich und machte mich aus dem Staub.

Foto: www.pixabay.com

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